Bereits einen Tag nach den Angriffen der USA und Israels auf den Iran am 28. Februar war klar, dass Ajatollah Ali Khamenei bei den ersten Luftschlägen ums Leben kam. Die Nachricht löste bei vielen Iraner*innen überall auf der Welt große Freude aus. Mit Khamenei wurde der führende Kopf eines Regimes getötet, das seit Jahrzehnten für eine brutale Unterdrückung der Menschen im Iran steht und jeden feministischen und progressiven Aufstand in den letzten Jahren blutig niedergeschlagen hat. Erst bei den jüngsten Aufständen um den Jahreswechsel massakrierte das Mullah-Regime innerhalb weniger Tage mehr als 30.000 Menschen. Khamenei war kein antiimperialistischer Widerstand, sondern ein blutiger Diktator, der vom Assad-Regime in Syrien bis zur Hamas jede noch so menschenverachtende Terrorbande unterstützt hat, solange es sich nur geopolitisch angeboten hat. Keine Trauer um dieses Schwein!
Dennoch: Die erneute Bombardierung des Irans und der damit durch Trump und Netanjahu proklamierte Regime-Change hat bereits jetzt schreckliche Auswirkungen und könnte katastrophale Folgen haben. Schon heute erreichen uns Nachrichten von vielen zivilen Opfern aus Iran, Israel und verschiedenen Golfstaaten.
Es ist nicht das erste Mal, dass die USA und ihre Verbündeten durch massive Militärschläge und große Operationen Regime-Wechsel durchgesetzt haben. Darunter litt vorrangig die zivile Bevölkerung. Das völlige planlose Vorgehen im Irak führte zu zigtausend zivilen Toten und einer Destabilisierung, deren direkte Folge der Aufstieg des IS war. In Afghanistan herrschen heute wieder die Taliban, mit all den bekannten schrecklichen Folgen, insbesondere für Frauen und Queers. Für eine progressive radikale Linke muss also beides möglich sein. Die Freude über Khamenais Tod – und eine Ablehnung der Militärschläge.
Doch was lässt sich jetzt tun? Wie könnte die Zukunft des Iran aussehen?
In den letzten Monaten rückten die Anhänger des Shah-Sohns Reza Pahlavi immer stärker in den Blick der deutschen Öffentlichkeit. Massiv überhöhte Teilnehmer*innenzahlen bei einer Demonstration in München und wohin man in der Presse blickt: Auf der Grün, Weiß, Roten Fahne Irans scheint der Löwe schon einen festen Platz zu haben. Und leider stimmt es, dass die Monarchist*innen in der iranischen Diasapora in den letzten Jahren lauter und präsenter geworden sind. Diese in teilen rechtsradikale Bewegung träumt von einem starken Mann an der Spitze und möchte letztlich eine autoritäre Herrschaft durch eine andere ersetzen. Viel zu lange haben wir als radikale Linke in Deutschland versäumt, uns eindeutig und solidarisch auf die Seite der linken Diaspora zu stellen. Diese wird seit Jahren von zwei Seiten angegriffen und so immer stärker an den Rand gedrängt. Genau hier können und sollten wir als Antifaschist*innen, Feminist*innen und radikale Linke ansetzen und uns unterstützend und verstärkend an die Seite derer Stellen, die für progressive Veränderungen im Iran kämpfen.
Jin Jian Azadi
Weder Gott noch König – für die Freiheit, für das Leben!